Rohstoffpreise – Reale Veränderungen oder Nachfrage-Manipulation?
Steigen die Rohstoffpreise wirklich oder ist es nur eine Marktstrategie?
In den letzten Jahren haben viele Unternehmen in der Kunststoffverarbeitung und Recyclingbranche die Ankündigungen zu Veränderungen der Rohstoffpreise genau verfolgt. Hersteller kündigen regelmäßig sowohl Preiserhöhungen als auch vorübergehende Preissenkungen an und begründen diese mit Nachfrageschwankungen, der Lage auf dem Energiemarkt oder den Transportkosten. Doch immer mehr Geschäftsinhaber stellen fest, dass die tatsächlichen Preisänderungen nicht immer mit diesen Ankündigungen übereinstimmen.
Darüber hinaus entwickeln sich die Einkaufsstrategien in vielen Unternehmen weiter – immer weniger Firmen legen große Rohstoffvorräte an, sondern passen ihre Einkäufe an die tatsächlichen Bestellungen an. Diese Veränderung beeinflusst die Preisbildungsmechanismen im Vergleich zu den vergangenen Jahren.
Steigen die Rohstoffpreise tatsächlich?
Theoretisch sollten die Rohstoffpreise den klassischen Regeln von Angebot und Nachfrage folgen. Ist ein Material knapp, steigen die Preise. Sinkt die Nachfrage, sollten die Preise fallen. In der Praxis sehen wir jedoch, dass Rohstoffhersteller verschiedene Mechanismen einsetzen, um den Markt zu kontrollieren und die Kaufentscheidungen ihrer Kunden zu beeinflussen.
Eine der häufigsten Strategien ist die Ankündigung bevorstehender Preiserhöhungen. Beispielsweise informieren Polymerlieferanten die Branche oft über geplante Preiserhöhungen und verweisen auf Schwankungen der Ölpreise, logistische Probleme oder eine gestiegene Nachfrage nach einem bestimmten Material. Diese Ankündigungen erscheinen in Fachmedien und werden direkt an Kunden versandt. Ihr Ziel ist es, Unternehmen dazu zu bewegen, Rohstoffe früher zu kaufen, bevor die angebliche Preiserhöhung in Kraft tritt.
In vielen Fällen zeigt sich jedoch nach einigen Wochen, dass die tatsächliche Preiserhöhung viel geringer ausfällt als angekündigt – oder gar nicht eintritt. Unternehmen, die sich überstürzt mit Rohstoffen eingedeckt haben, stellen später möglicherweise fest, dass sie zu einem günstigeren Preis hätten einkaufen können, wenn sie gewartet hätten.
Andererseits nutzen einige Lieferanten bei nachlassender Nachfrage die entgegengesetzte Strategie – sie senken vorübergehend die Rohstoffpreise, um den Absatz anzukurbeln. Verarbeitende Unternehmen, die ursprünglich keinen Kauf geplant hatten, könnten sich von „Sonderangeboten“ verleiten lassen und ihre Lagerbestände erhöhen, wodurch die Lieferanten ihre Verkäufe auch in schwächeren Zeiten aufrechterhalten können.
Veränderungen in den Einkaufsstrategien
Früher war es in vielen Produktionsbetrieben üblich, Rohstoffvorräte für mehrere Monate im Voraus anzulegen, um sich gegen potenzielle Engpässe oder plötzliche Preiserhöhungen abzusichern. Unternehmen gaben größere Bestellungen auf, und Lagerhallen waren mit Materialien gefüllt, die auf ihren Einsatz warteten.
Heute ändert sich diese Strategie. Immer mehr Unternehmen kaufen Rohstoffe nur noch nach Bedarf, basierend auf tatsächlichen Kundenaufträgen. Diese Veränderung wird durch mehrere Faktoren beeinflusst:
✔️ Marktunsicherheit – Nach den Erfahrungen der Pandemie und der Energiekrise ziehen es Unternehmen vor, ihre finanzielle Liquidität zu erhalten, anstatt Kapital in große Lagerbestände zu binden.
✔️ Bessere Materialverfügbarkeit – Vor einigen Jahren hatten einige Polymere und Additive lange Lieferzeiten, was frühe Einkäufe erforderlich machte. Heute sind die meisten Materialien viel schneller verfügbar, was eine flexiblere Lagerverwaltung ermöglicht.
✔️ Vermeidung des Risikos von Preisrückgängen – Unternehmen zögern, große Mengen an Rohstoffen zu kaufen, wenn das Risiko besteht, dass die Preise in den kommenden Wochen sinken. Stattdessen bevorzugen sie kleinere Käufe und reagieren flexibel auf Marktveränderungen.
✔️ Rückgang der Produktion in vielen Branchen – Einige Sektoren, insbesondere Bau- und Automobilindustrie, produzieren weniger als noch vor einigen Jahren. Eine geringere Produktion bedeutet eine geringere Nachfrage nach Rohstoffen, was die Notwendigkeit großer Lagerbestände verringert.
Wie können sich Unternehmen vor Preismanipulation schützen?
❗ Marktanalyse – Es ist entscheidend, die tatsächlichen Veränderungen der Rohstoffpreise zu verfolgen und sie mit den Ankündigungen der Lieferanten zu vergleichen. Oft werden prognostizierte Preiserhöhungen übertrieben dargestellt.
❗ Einkauf bei mehreren Lieferanten – Anstatt sich auf eine einzige Quelle zu verlassen, sollten Unternehmen Beziehungen zu mehreren Lieferanten aufbauen, um mehr Flexibilität bei Preisverhandlungen zu haben.
❗ Vermeidung impulsiver Entscheidungen – Wenn ein Lieferant eine Preiserhöhung ankündigt, sollten Unternehmen prüfen, ob sie den gesamten Markt betrifft oder nur diesen speziellen Lieferanten.
❗ Produktionsoptimierung – Unternehmen, die ihre Prozesse effizient verwalten, können Produktionsabfälle reduzieren und Rohstoffe effektiver nutzen, sodass sie seltener einkaufen müssen.
Fazit
Die Rohstoffpreise schwanken nicht nur aufgrund von Marktkräften, sondern auch infolge von Marketingstrategien und Verkaufstaktiken der Lieferanten. Angekündigte Preiserhöhungen dienen oft dazu, die Nachfrage künstlich zu steigern, während die tatsächlichen Preisänderungen oft geringer ausfallen als vorhergesagt – oder gar nicht eintreten.
Unternehmen passen ihre Einkaufsstrategien an und kaufen Rohstoffe zunehmend nur dann, wenn sie tatsächliche Bestellungen haben, anstatt große Mengen im Voraus zu lagern. Dieser Ansatz ermöglicht es ihnen, besser auf reale Preisänderungen zu reagieren und unnötige Kosten zu vermeiden.
Unter den aktuellen Marktbedingungen sind eine intelligente Einkaufsstrategie und eine sorgfältige Analyse von Preistrends entscheidend, um übereilte Entscheidungen zu vermeiden und nicht Opfer von Marktmanipulationen zu werden.
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